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Zahnuntersuchung und -behandlung bei Pferd und Esel

Zahnprobleme sind bei Equiden (Pferde, Esel) häufig und können zu verschiedenen Folgeerkrankungen führen, wenn sie nicht frühzeitig erkannt und behandelt werden.

Ein Wildpferd ist während mehr als der Hälfte des Tages mit der Futtersuche und –aufnahme beschäftigt. In der Natur besteht das Futter aus groben, faserartigen Pflanzen, so dass viel Kauarbeit für die Zerkleinerung erforderlich wird. Dagegen müssen unsere domestizierten Pferde weniger abrasive Nahrung zerkleinern und die Zeit, die sie zum fressen aufwenden ist dann bedeutend kürzer. Beim Kauen wird bei Equiden der Unterkiefer gegenüber dem stationären Oberkiefer mittels einer Rotationsbewegung bewegt. Dabei entsteht eine Abreibung der Zähne von durchschnittlich 2 mm pro Jahr. Da die Backenzähne Unterkiefers enger stehen als die des Oberkiefers (physiologische Anisognathie, Abb. 1), bilden sich am Oberkiefer im Bereich der Backe (bukkal) und am Unterkiefer im Bereich der Zunge (lingual) Zahnspitzen, welche mit der Zeit sehr scharf werden können und Verletzungen an der Backenschleimhaut wie auch an der Zunge verursachen können.

Abb 1

Jede Unregelmässigkeit im Maulbereich kann das Tier in seinem Allgemeinbefinden und in seinem Verhalten beeinträchtigen. Mögliche klinische Symptome bei Zahnproblemen sind „Wickelkauen“ (Abb. 2), verzögerte Futteraufnahme, einseitiges Kauen und Gewichtsverlust. Weiter können Maulgeruch, Schwellungen an der Backe, eitrige Fisteln oder einseitiger eitriger Nasenausfluss vorkommen. Zahnprobleme können auch zu Problemen beim Reiten führen und Folgeerkrankungen wie Kolik, Abmagerung, Hyperlipämie, Durchfall und Leistungsabfall verursachen.

Abb 2

Da viele Pferde und besonders Esel trotz Zahnproblemen und - schmerzen ein normales Fressverhalten zeigen, ist eine regelmässige Zahnkontrolle wichtig. Wir empfohlen 1x jährlich eine Maulhöhlenuntersuchung durchführen zu lassen um Probleme frühzeitig zu erkennen und mögliche Veränderungen zu korrigieren.

 Maulhöhlenuntersuchung

Da die Maulhöhle von Pferden und Eseln schmal und lang und die Öffnung des Mauls sehr beschränkt ist, muss für die Untersuchung der Zähne ein adäquates Maulgatter und eine gute Lichtquelle eingesetzt werden. Somit können auch die hinteren Backenzähne beurteilt und palpiert und mögliche Zahnerkrankungen diagnostiziert werden. Für eine vollständige Beurteilung und Therapie der verschiedenen Zahnveränderungen ist eine gute Sedation erforderlich, was auch für die Sicherheit von Pferd und Tierarzt wichtig ist.

 Mögliche Veränderungen in der Maulhöhle

Zähne                                             

  • Zahnspitzen
  • Zahnhaken
  • Wellengebiss
  • Meisselzähne (Abb. 3)
  • Zahnfrakturen
  • Karies
  • Unterbiss (Abb. 4) /Überbiss
  • usw.

Abb 3

Abb 4

Maulschleimhaut

  • Verletzungen
  • Rötungen
  • Tumoröse Veränderungen

Zunge

  • Verletzungen
  • Fremdkörper

 Behandlung

Zahnkorrekturen werden von uns sorgfältig mit einer elektrischen Zahnschleifmaschine mit verschiedenen Aufsätzen für eine optimale Behandlung durchgeführt. Eine Maulhöhlenuntersuchung und anschliessende Behandlung dauert, abhängig von den Veränderungen, 30 bis 60 Minuten.

Falls Zähne gezogen werden müssen, geschieht dies ebenfalls stehend unter Sedation und Lokalanästhesie. Wir haben auch die Möglichkeit die Patienten ambulant bei uns an der Klinik im Untersuchungsstand zu behandeln.